Tales from the Road: Fahrvergnügen in Scotland

Hier noch ein Gastbeitrag zu unserer Blogparade Mein Sommer. Er kam pünktlich an, konnte aber von mir aus gesundheitlichen Gründen erst mit Verspätung eingestellt werden.

Die Architektin, Autorin, Fotografin und Künstlerin Christel Tampé schreibt über eine Sommerreise mit dem VW-Bus durch Schottland und hat wunderschöne Fotos mitgebracht. Sogar der Hogwarts-Express ist dabei.

Das ist Ziggy, ein liebevoll restaurierter VW-Bulli, Jahrgang1973. Ich sah ihn das erste Mal auf dieser Webseite und beschloss, dass er und kein anderer mein Gefährte für die ersehnte erste Schottlandtour sein sollte: Klein, knuffig und mit runden Augen. Morgens etwas ungelenk, da brauchte man viel Kraft, um ihn langsam ohne Servolenkung zu rangieren. Aber ein praktischer Weggefährte, der alles munter mitmachte, egal, wie der Regen kübelte , die Mücken surrten, die Passstraße sich steil emporwand oder sich ebenso steil wieder ins Tal zurückschraubte -Ziggy machte alles mit. Und überall wurde er freundlich bestaunt, begrüßt, bewundert. Wohin der Weg auch führte, beständig kamen winkende Leute entgegen, freuten sich darüber, uns zu sehen. Schnell war man im Gespräch auf dem Campingplatz, auf Parkplätzen, an der Tankstelle.

Ziggy ermöglichte die große Freiheit, spontan die Route zu entscheiden. Up to the sky:

Die wunderbare Passstraße bei Applecross:

Over the bridge:

Quer durch die Highlands:

Oder doch schnell mal drinnen etwas Leckeres kochen?

Zum Beispiel super leckere Jakobsmuscheln, frisch von den Orkneys.

Schottland ist musikalisch: fast überall, wo wir in Schottland hinfuhren, dudelte ein Sack:

Tief berührt hat mich der Bootsausflug zu der geradezu mystischen, grandiosen und erhabenen Finegal’s Cave auf der Basaltinsel Staffa. Eine Höhle, wie eine Kathedrale, die Felix Mendelssohn-Bartholdy zu seiner großartigen gleichnamigen Konzert-Ouvertüre anregte. Ich hätte dort Stunden verbringen können, in das erhabene Dunkel zu starren, dem Rollen und an-die-Felswände-Klatschen der Wellen zuzuhören. Magisch.

Magisch natürlich auch diese Begegnung am Glennfinnan-Viadukt – ich glaube, ich habe tatsächlich Harry Potter gesehen:

Die Isle of Skye brachte besondere Eindrücke:

Beeindruckend schön, aber durchdringend nass war diese Wanderung:

Kaum waren die steil aufragenden Felsen umrundet, peitschte heftigster Sturmwind den Regen waagrecht ins Gesicht, durch die bis dahin wasserfeste Regenjacke und –hose, bis alles komplett durchnässt war. Unmöglich, da noch Fotos zu machen…

Da hat man sich dann einen friedvollen trockenen Abend, wie hier in Ullapool, redlich verdient:

Aber Regen und Matsch waren quasi das „Salz in der Suppe“ dieser versuppten Highlandgames am letzten Tag der Rundreise:

Hier kämpfte jeder gegen jeden, Alt gegen Jung, Frauen gegen Männer, Jungs gegen Mädchen, Männer gegen Holzstämme, Einheimische gegen Touristen und alle gemeinsam gegen Dauerregen und Matsch. Damit es fair zuging, und jeder seine Chance bekam, startete man /frau mit Handicap (also z.B. starteten kleine Mädels im Rennen gegen große Jungs 20 – 30 m weiter vorne, ebenso die älteren Herren). Das ergab unglaublich spannende Wettkämpfe, die gleichzeitig Bundesjugendspielcharakter hatten und seltsame Touristenattraktion, Treffpunkt von Einheimischen und Fremden waren. Und über allem wehten beständig Dudelsackmelodien. Beim Hammerwurf wurde übrigens auch das Geheimnis gelüftet, was der Schotte so unter dem Rock trägt. Es sind Trainingshosen…

Derart frisch vom Wind durchgepustet und vom Regen gespült schlossen sich noch vier herrliche und sonnige Tage in Edinburgh an.

Ein absolutes Highlight war das Jazzfestival mit seinen vielen Konzerten, eine absolute Empfehlung und Inspiration, sich dieser Musikrichtung wieder zuzuwenden, selbst mal wieder Jazz zu spielen.

Schottland: Ich komme wieder! Und setze mich gerne wieder ans Steuer von Ziggy.

Hörtipps: „Die Hebriden, Finegal’s Cave“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Lesetipps: „Jenseit des Tweed“ von Theodor Fontane (Ja, „Jenseit“ ist richtig: „Man muß das „s“ in Jenseits fortlassen, wodurch die Leichtigkeit des Aussprechens sehr gewinnt.“ meinte Fontane dazu.) Dieser Reisebericht von 1860 erklärt auch heute noch sehr gut fast alle Sehenswürdigkeiten und Mythen, denn die meisten waren ja schon damals alle da.

Über Christel Tampé: Ich liebe das Reisen, Fotografieren und Architektur. Die Fotos auf Instagram entstehen fast alle mit dem iPhone, eher selten mit meiner Spiegelreflexkamera von Canon (die werden anders aufbereitet). Unterwegs bin ich oft mit dem Zelt, ich erkunde gerne Städte und Landschaften zu Fuß, fahre aber auch gerne Auto. In den Städten halte ich immer Ausschau nach eigenartigen Details, witzigen Graffitis, Farben und Strukturen.

Momentan bereite ich ein Kulturprojekt für Kinder mit Fluchthintergrund vor (bitte Daumen drücken!). Und in meiner Freizeit spiele ich Posaune.

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