Gastbeitrag von Flötistin Britta Roscher

Ende August startete unsere Blogparade „Was inspiriert Dich?“ – ein Online-Event für bloggende Kulturschaffende. Hier nun ein Beitrag von Flötistin Britta Roscher. Britta hat kein eigenes Blog, deshalb veröffentlichen wir ihren Text als Gastbeitrag hier im Ariadne-Blog.

Britta Roscher. Foto: Martin Kreutter
Britta Roscher. Foto: Martin Kreutter

Was inspiriert mich?

Meine erster Gedanke: Puh, was eine unpräzise Frage…was soll ich dazu schreiben? Und doch hat sich die Frage irgendwie 4-5 Gehirnzellen gekrallt und sitzt da. Und wartet. Und wird gedreht und gewendet. Und dann fallen mir Dinge auf und ein.

Es gibt sie – diese Inspirationsquellen! Ich suche sie nicht bewusst auf, aber doch nähere ich mich einem Thema einer Fragestellung nach einem gewissen Schema.

Als freiberufliche Flötistin jongliert man beständig auf verschiedenen Baustellen. Neben Konzerten (solistisch und in verschiedenen Ensembles), Unterrichten, Organisieren von Musik-Workshops und dem eigenen täglichen Üben dürfen auch die Akquise und Werbung nicht zu kurz kommen. Es müssen Pressetexte formuliert und Programme entwickelt werden.

Die Grenzen zwischen Beruf und Hobby, Freizeit und Arbeit sind absolut fließend und für mich auch eigentlich gar nicht mehr wichtig. Ich liebe das was ich mache und mich in so vielen Bereichen austoben zu können ist großartig. Es erfordert Kreativität.

Geht es zum Beispiel um die Entwicklung eines neuen Konzertprogramms, wühle ich mich durch meinen Notenschrank. Welche Stücke wollen aufgeführt werden? Bei welchen bleibe ich hängen, spiele sie an? Diese Vorauswahl landet auf einem großem Stapel. Erste Hürde geschafft! Gibt es eine Vorgabe, ein Thema? Kann ich frei wählen? All das fließt in meine Sondierungen mit ein.

Brittas Notenschrank
Notenschrank. Foto: Britta Roscher

Wie baue ich die Dramaturgie auf? Klar, es gibt ein paar Regeln, aber viel muss ich ausprobieren, also aktiv tun, nicht nur drüber nachdenken. Und dann spreche ich mit Menschen aus meinem Umfeld. Am besten mit Nichtmusikern. Sie sind nicht „vorbelastet“, ich versuche ihren Blickwinkel einzunehmen. Was wollen sie hören, was erwarten sie? Was könnten sie spannend finden? Oft hilft mir auch der Raum in dem das Konzert stattfinden wird. Mancher Raum gibt eine Atmosphäre vor, die kann man brechen oder aber auch mit ihr spielen, sie bewusst einsetzen.

Langsam kristallisiert sich ein stimmiges Programm heraus. Immer wieder ein toller Prozess!

Flötistin Britta Roscher
Flötistin Britta Roscher

Was inspiriert mich beim Unterrichten?

Oft sind es die SchülerInnen selbst! Ich begleite sie auf ihrem Weg das Instrument zu erlernen und zu spielen und ab und an ist der Weg holprig und unwegsam. Ich muss Lösungen, Hilfestellungen und Übe-Anleitungen geben. Da ist jeder anders, das hängt vom Lebensalter ab, Kinder ticken anders als Erwachsene, Anfänger brauchen andere Tipps als Fortgeschrittene.

Meine Aufgabe ist es, individuelle Strategien für die jeweilige Person zu entwickeln. Eine wahrlich kreative Herausforderung. Auch hier nutze ich natürlich Fachliteratur, stöbere in Büchern, durchforste Notenhefte nach einer passenden Übung, spreche mit Kollegen, zapfe ihre Erfahrungen an. Insbesondere der Austausch, die Beratung mit anderen MusikerInnen und InstrumentallehrerInnen ist sehr befruchtend und war vor über 15 Jahren auch ein Hauptauslöser dafür, dass wir uns zum Musiklehrernetzwerk 2.0 zusammengeschlossen haben. Gemeinsam organisieren wir Schüler- und Dozentenkonzerte, Band- und Ensembleprojekte und stehen untereinander in Kontakt. Jeder kann seine Stärken einbringen und wir haben zusammen schon Höhen und Tiefen überstanden. Wir empfinden das Netzwerk eindeutig als Bereicherung – als Inspiration.

Ich merke, ich beobachte viel, wie machten es die großen Meister und andere musikalische Vorbilder? Manchmal lohnt sich ein Blick über den Tellerrand und ein „Spicken“ bei den Sportlern. Es gibt viele Parallelen und Gemeinsamkeiten – Musiker sind mehr auf feinmotorische Ebene unterwegs, aber das Training ist ähnlich intensiv!

Brittas Flöten.
Flöten. Foto: Britta Roscher

Fazit

Meine Hauptinspiration kommt, glaube ich aus meiner Neugier und meinem Dialog mit Menschen. Es gibt nicht die eine Quelle oder den einen Moment. Manchmal stößt ein Gespräch ein Klötzchen, was sich im Kopf noch quer stellte und verhinderte das sich der Gedankenflow einstellte, an, und alles ruckelt sich zurecht und wird zu einem neuen Ganzen.

Inspiration kann mich fast überall „erwischen“: Beim Joggen im Wald öffnet sich der Blick und eine neue Ansicht auf das Thema tut sich auf. Beim eigenen Üben kristallisiert sich ein Workshop-Konzept heraus und muss schnell auf Papier skizziert werden. Im Gespräch schießt mir eine Idee in den Kopf. Ein Satz meines Gegenübers kickt die Gehirnwindungen an und der Kreativ-Prozess kommt in Fluß. Das sind tolle Momente und alles wird leicht!

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2 Gedanken zu “Gastbeitrag von Flötistin Britta Roscher

  1. Wie spannend, auch einmal in den Berufsalltag einer Flötistin zu blicken! Klasse hört sich das an und dabei fällt mir ein, stimmt, eine gute Freundin ist Pianistin und ihr Alltag verläuft wohl ähnlich. Schon interessant und ein kompletter Gegensatz zu meinem Beruf als kaufmännische Angestellte… wobei (überleg).
    Danke für den Einblick!
    Viele Grüße
    Bärbel aka Farbenfreundin

    Gefällt 1 Person

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